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Faculté lettres et langues

Études de littératures romanes et comparées - Prof. Dr. Ute Fendler

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Burkina Faso 2010

Ouagadougou

Für Februar 2010 fand wieder eine Exkursion unter Leitung von Ute Fendler und Ricarda Bienbeck nach Ouagadougou/Burkina für Studierende der Romanistik und von ASpLiKu statt. Diese wurde durch den DAAD und durch Studiengebühren finanziert. 

Berichte der teilnehmenden Studierenden zu Theater, Fernsehen, Radio, Musik, Verlagswesen, Centre Culturel Francais, Maskenmuseum.

Theater in Ouagadougou

Bericht zu der Exkursion nach Ouagadougou im Februar 2010

I. Vorbereitung

Die Studierenden hatten zur Vorbereitung der Exkursion ein Blockseminar zu Beginn des Wintersemesters 2009/10 mit Prof. Prosper Kompaoré von der Université de Ouagadougou. Sie erhielten in einem ersten Teil eine Einführung zu Spezifika des westafrikanischen Theaters und in einem zweiten führten sie Analysen von Theatermitschnitten durch.

In der Zeit von November bis Februar fanden vier Vorbereitungssitzungen statt, in denen sowohl organisatorische Fragen besprochen wurden als auch weitere inhaltliche Vorbereitung stattfand, wie die Einführung in Geschichte und Landeskunde von Burkina Faso. Jeder Teilnehmer präsentierte eine Institution, die auf dem Besuchsprogramm stand, so dass eine gemeinsame Basis für die Besuche und Interviews geschaffen werden konnte.

Darüber hinaus nahmen die Exkursionsteilnehmer regelmäßig an den Afrikanischen Filmtagen im November 2010 teil, wo sie bereits in die Problematik des Filmschaffens in Afrika eingeführt wurden.

II. Aufenthalt in Ouagadougou

Drei Teilnehmerinnen reisten bereits am Sonntag an, die restlichen am Montag, dem 15.2.2010.

Damit begann das gemeinsame Programm am Dienstag, dem 16.2.2010 morgens mit einer Stadtrundfahrt, die einen ersten Einblick in die lokalen Gegebenheiten erlaubte. Die unterschiedlichen Stadtviertel mit ihrer Geschichte und Architektur waren ebenso Thema wie historische Einordnungen von bspw. Dem „Place des Cinéastes“ oder dem „Place de la Révolution“.

Nachmittags musste das geplante Treffen mit den Studierenden der Germanistik entfallen, weil Unterricht angesetzt worden war. Die Gruppe nutzte die Zeit, um das „Village artisanal“ zu besuchen, wo man die verschiedenen traditionellen Handwerkszweige (Weben, Bronze, Batik, Silberschmuck, Korbflechten, Musikinstrumente) kennenlernen und bei der Arbeit zusehen kann.

Abends besuchte die Gruppe das zum ersten Mal stattfindende Festival des Dokumentarfilms, um den neuesten Film von Dani Kouyaté zu sehen, dessen Filme sie bereits aus den Vorbereitungsseminaren kannten. So konnten sie bereits den Kinosaal des Centre Culturel Français und seine Aktivitäten als Besucher kennenlernen.

Mittwoch, 17.02.2010

Vormittags waren wir zu Gast bei der Produktionsgesellschaft „Artistes Productions“, die von Regisseuren, Technikern und Schauspielern gegründet wurde, um ihre Anstrengungen zu bündeln und ein kostendeckendes Unternehmen führen zu können. Der erfolgreiche Regisseur Abdoulaye Dao empfing die Gruppe und berichtete über seine langjährige Erfahrung, zunächst beim Fernsehen und dann später in der Gesellschaft. Er kann auf ein umfangreiches Oeuvre von Dokumentarfilmen, Fernsehserien (eine der ersten in Burkina in den 1990er Jahren) und Spielfilme blicken. Der Produzent stieß später dazu und erläuterte die Arbeit aus seiner Sicht: Fondsraising, Organisation, Distribution. Die Studierenden erhielten somit einen sehr guten Überblick über die Filmproduktion in Burkina Faso.

Am Nachmittag erfolgte ein kurzer Besuch bei der Deutschabteilung mit der DAAD-Lektorin. Ein Treffen mit Tandem-Studierenden wurde für den Abend verabredet in einem städtischen Park, wo regelmäßig Konzerte stattfinden. Herr Da, der beim Kultusministerium für das Musikmuseum zuständig ist, lässt hier die Nachwuchsmusiker auftreten. So konnten die Studierenden bei dieser Gelegenheit eine erste Einführung in die Bedeutung der traditionellen Musik und die Ausbildung von Musikern erhalten.

Donnerstag, 18.02.2010

Vormittags wurde die Gruppe von dem Leiter der Produktion beim staatlichen Fernsehen „Radio Télévision du Burkina Faso“ empfangen. Nach einer Einführung in die Geschichte des Fernsehens und in die Organisationsstrukturen, erfolgte eine Führung durch die Studios und Produktionsstätten. Der Besuch wurde durch eine intensive Fragerunde abgerundet, in der die verschiedenen Probleme, die bei dem Besuch deutlich wurden, diskutiert wurden, wie beispielsweise die Frage der Finanzierung, die mehr Werbung erfordert, die wiederum eine größere Unabhängigkeit mit sich bringt und zugleich eine Konkurrenzsituation mit privaten Sendern schafft. Auch die Rezeption und Produktion spielte eine große Rolle gerade im Hinblick auf eine Gesellschaft, in der noch eine hohe Analphabetenquote herrscht und mehrere Sprachen gesprochen werden.

Der Nachmittag war dem Besuch des Atelier Théâtre gewidmet. Prof. Kompaoré, der bereits im Oktober einen einführenden Blockkurs für die Exkursionsteilnehmer in Bayreuth durchgeführt hatte, empfing die Gruppe auf dem Theaterareal, wo die Vorbereitungen für das Internationale Theaterfestival liefen. Die Studierenden konnten Proben der Theatertruppe von Kompoaré beiwohnen und sich im Anschluss über die Besonderheiten des „Théâtre Forum“ mit den Schauspielern austauschen.

Freitag, 19.02.2010/Samstag/Sonntag, 20./21.02.2010

Am Freitag brach die Gruppe in das ca. 360 km entfernte Bobo Dioulasso, die ehemalige koloniale Hauptstadt Obervoltas, auf. Auf der Fahrt konnte die Gruppe ein Wechsel der Vegetationszonen beobachtet werden und sie erhielt einen Eindruck vom Leben der Bevölkerung außerhalb der Metropole Ouagadougou.

Vor Ort besichtigten wir Samstagvormittag die alte Moschee, die im 19. Jahrhundert im Stil der sudanischen Lehmarchitektur erbaut wurde sowie die Altstadt, in der neben den traditionellen Wohnvierteln verschiedener Zünfte auch das älteste Haus Bobos zu besichtigen ist, welches im 11. Jahrhundert erbaut wurde.

Nachmittags stand ein Besuch des kolonialen Bahnhofes an, der einen wichtigen Handels- und Umschlagsplatz mit der Elfenbeinküste bildete und auch heute noch bildet sowie das „Musée de la musique“. Bei einer Führung wurden neue und historische Musikinstrumente in ihrer geographischen und kulturellen Verbreitung und Bedeutung  erläutert.

Sonntagvormittag verbrachten die Studierenden in Kleingruppen auf dem Markt, mittags brachen wir zurück nach Ouagadougou auf.

Dieser Wochenendausflug ermöglichte es der Gruppe neben der politischen und kommerziellen Metropole Ouagadougou, die durch moderne Bauten und ein intensives kulturelles Leben (ebenso wie durch die Mossi-Kultur) geprägt ist, eine ganz andere Facette Burkinas kennenzulernen. Bobo steht für das koloniale Erbe, aber auch für die Manding-Kultur, wo insbesondere Musik und damit die Kultur der Griots vertreten ist. Sie bildet seit jeher einen politischen und kulturellen Gegenpol zu Ouagadougou.

Montag, 22.02.2010

Montagvormittag lud uns der Regisseur und Produzent Abdoulaye Dao dazu ein, einige seiner jüngeren Produktionen, u.a. seinen neuesten Kinofilm „Une femme pas comme les autres“ in seinem Studio anzusehen und anschließend mit ihm darüber zu diskutieren. Dies war eine einmalige Gelegenheit, da dieser Film bereits mit mehreren regionalen und lokalen Preisen ausgezeichnet worden ist und damit die Erwartungshaltung des lokalen Publikums widerspiegelt. Der Film wird bspw. Im April in Montreal beim großen Festival „Vues d’Afrique“ seinen internationalen Festivalauftritt haben, so dass die Studierenden die Reaktionen in der Nachbereitung der Exkursion werden vergleichen können.

Am Nachmittag traf die Gruppe Prof. Jean-Claude Naba, der Germanistikprofessor und Präsident des Vereins burkinischer Verleger (ASSEDIF) ist und uns ausführlich über das Verlagswesen und die Verlagsarbeit auf afrikanischer und burkinischer Ebene berichtete mitsamt seinen spezifischen Problemen wie der Analphabetismusrate (besonders bezogen auf das Französische), der fehlenden Lesetradition, die großen Buchkosten etc. Da die Studierenden in der Zwischenzeit bereits – insbesondere durch den Austausch mit den Germanistikstudierenden – einen Einblick in die schwierige Situation Burkinas (verschiedene Sprachen, geringe Kaufkraft, hohe Analphabetenquote) erhalten hatten, konnte hier eine lebhafte Diskussion entstehen. Auch in diesem Bereich wären in der Zukunft Praktika für Interessierte denkbar.

Dienstag, 23.02.2010

Ab 9h konnten wir unter der Leitung des Bibliothekars des „Centre Culturel Français“ das Kulturinstitut besuchen. Die verschiedenen Abteilungen (Bibliothek, Theater, Kino, Ausstellungen) wurden vor- und in den Kontext der Kulturarbeit gestellt.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe eine der größten burkinischen Werbeagenturen, „AG-Partner“, die seit vier Jahren in Burkina existiert und neben Frankreich auch in weiteren afrikanischen Ländern Agenturen besitzt. Hier erfuhren wir von den spezifischen kulturellen und auch ökonomischen Anforderungen, denen eine Werbeagentur im burkinischen Kontext v.a. in der Fernsehwerbung entsprechen muss. Neben dem großen Mobilfunkunternehmen Zain sind auch Nivea, Siemens und Cisco Kunden dieser Agentur. Dies war eine sehr gute Ergänzung zu den Fragestellungen, die sich bei dem Besuch des Fernsehens ergeben hatten.

Am Abend fand ein Konzert in einem Stadtpark der Gruppe „Le Baobab Sacré“ statt, die unter der Leitung von Herrn Da arbeitet. Herr Da ist zuständig für die Promotion von kulturellen Aktivitäten am Kultusministerium. Er demonstrierte an diesem Abend zusammen mit seiner Gruppe unterschiedliche Instrumente, Musikstile und auch deren Kontexte. Darüber hinaus traten musikalisch untermalt mehrere „Conteurs“, Märchen- oder Geschichtenerzähler, auf.

Mittwoch, 24.02.2010

Am Morgen brachen wir ins ca. 30km entfernte Laongo auf, wo alle zwei Jahre ein Skulpturenfestival stattfindet, bei dem Bildhauer aus der ganzen Welt Granitsteine bearbeiten und gestalten. Für uns waren insbesondere die Werke westafrikanischer Künstler von Interesse, die oft historisch-kulturelle Themen transportieren, was uns bei einer Führung näher gebracht wurde.

Im Anschluss daran konnte das Terrain besichtigt werden, wo Christoph Schlingensief sein Festspielhaus Afrika verwirklicht und wo nur wenige Wochen zuvor der Grundstein für das Opernhaus gelegt wurde.

Um 16h besuchten wir die Redaktion des kommunalen und unabhängigen Radiosenders Radio Sankoloto. Der Chef, Herr Nikiéma, ist in Burkina eine Autorität in der Medienlandschaft, da er bereits lange Jahre beim Fernsehen gearbeitet hat, bevor er das Radio gegründet hat. Das Radio Sankoloto ist besonders beliebt, da es auf die Mitwirkung der Hörer setzt und dies in den Landessprachen erfolgt, um den Austausch mit der „einfachen“ Bevölkerung zu brisanten Themen zu ermöglichen. In der Diskussion konnte auch die Bedeutung von Presse, Fernsehen und Radio im Vergleich angesprochen werden, was den Studierenden Einblick in die Bedeutung der Medien gab.

Donnerstag, 25.02.2010

Am Donnerstag war der Besuch des „Musée du Manéga“, das sich ca. 50km von Ouagadougou entfernt befindet, zusammen mit einigen burkinischen Studierenden geplant. Auf der Fahrt konnten die Exkursionsteilnehmer die Landschaft und Dörfer außerhalb der Hauptstadt kennenlernen. Im Museum wurden bei einer Führung die unterschiedlichen Bauweisen verschiedener Ethnien anhand von Modellhäusern gezeigt und erläutert. Darüber hinaus erhielten die Studierenden Einblick in die Tradition der Mossi, der zahlenmäßig stärksten Bevölkerungsgruppe Burkinas, was durch Masken und andere rituelle Gegenstände illustriert wurde.

Freitag, 26.02.2010

Am Freitag brach die Gruppe in das Dorf Gana auf, das sich eineinhalb Stunden entfernt östlich von Ouagadougou befindet. Dort konnten wir die Arbeit von Prof. Kompaoré und seinen Schauspielern „im Feld“ verfolgen. Beim Théâtre Forum wird die Dorfbevölkerung gruppenweise eingeteilt (Frauen, Männer, Kinder, Jugendliche) und deren spezifischen Probleme werden theatralisch er- und bearbeitet. Dies war eine ganz besondere Erfahrung für die Studierenden, da sie neben der Perspektive der Schauspieler nun auch die Perspektive der Dorfbewohner aufs Theaterspielen kennen lernen konnten und darüber hinaus auch einen Einblick ins Dorfleben gewinnen konnten, das sich stark vom Leben der Menschen in Ouagadougou unterscheidet.

Samstag, 27.02.2010

Am Nachmittag waren wir beim „Radio Pulsar 94,8 FM“ eingeladen. Diese private Radiostation sendet jeden Samstag in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft eine einstündige Sendung auf Deutsch, die von Alex Djondo, einem Dolmetscher und ehemaligen Germanistikstudenten moderiert und mit deutschsprachiger Musik begleitet wird. Hier konnte die Gruppe live über die Exkursion und ihre Eindrücke berichten, mitgebrachte deutschsprachige Musik kommentieren und interessierten Anrufern Fragen zu unserer Gruppe und Deutschland allgemein beantworten.

Sonntag, 28.02.2010

Am Vormittag war ein erneuter Besuch des „Village Artisanal“ angesetzt, wo verschiedene Handwerkskünste vertreten sind. Die Werkstätten zur Be- und Verarbeitung von Leder, Bronze, Batik, Schmuck usf. ermöglichen es, die Arbeitsschritte zu beobachten und Einblick in traditionelles Handwerk zu erhalten.

Am Nachmittag war die Gruppe von einem Germanistikstudenten nach Hause eingeladen worden, wo sie dessen Familie kennen lernen und einen kleinen Einblick in „das Familienleben“ gewinnen konnte.

Montag, 01.03.2010

Der Tag stand den Studierenden zur freien Verfügung, was die meisten dazu nutzten, sich nochmals mit den burkinischen Germanistikstudenten zu treffen und sich zu verabschieden.

Am Abend fand ein letztes gemeinsames Abendessen statt. Gegen 20h30 brachen wir zum Flughafen auf.


Webmaster: Univ.Prof.Dr. Ute Fendler

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