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Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft

Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft und Komparatistik unter besonderer Berücksichtigung Afrikas – Professor Dr. Ute Fendler

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Transformations au Maghreb 2010 - Bayreuth

Foto: Poster Maghreb

Internationale Konferenz „Transformationen. Umbrüche und Aufbrüche in Literatur und Film des Maghreb seit 1990“

Vom 25. bis zum 27.11.2010 organisierte der Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft (Prof. Ute Fendler, Ricarda Bienbeck) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Französische Philologie der TU Berlin (Prof. Mechtild Gilzmer) eine internationale Konferenz zum Thema  „Transformations. Changements et renouveaux dans la littérature et le cinéma au Maghreb depuis 1990“ im Iwalewa-Haus.

Die Konferenz setzte sich zum Ziel, die neuesten Tendenzen im Literatur- und Filmschaffen der Maghreb-Länder Marokko, Algerien und Tunesien aus einer interdisziplinären, transnationalen und komparatistischen Perspektive in den Fokus zu rücken. Dabei wurde neben den dominanten thematischen Schwerpunkten wie Frauen, Politik und Religion vor allem bisher marginalisierten oder tabuisierten Themen Aufmerksamkeit zuteil, wie etwa der Geschichte und Bedeutung der Minderheiten (Berber) in den drei nordafrikanischen Ländern oder der Situation und Repräsentation von sozialen Randgruppen.

Foto: Konferenze Transformation Maghreb

Die Teilnehmer kamen vorwiegend aus den Maghrebstaaten, Frankreich und Deutschland, so dass unterschiedliche Forschungsperspektiven in die Diskussion Eingang gefunden haben. Dabei war auch der Austausch zwischen etablierten Wissenschaftlern, Nachwuchswissenschaftlern – darunter einige Bayreuther BIGSAS-Doktoranden – und Praktikern wie etwa Übersetzern, Autoren und Regisseuren gewährleistet.

Es zeigte sich in den zahlreichen Beiträgen, dass die Frage nach der identitären Zugehörigkeit eine Schlüsselrolle in der künstlerischen Produktion des Maghreb einnimmt. Während es in der Zeit nach der Unabhängigkeit darum ging, eine präkoloniale „nationale“ Kultur wiederzuentdecken und zu entwickeln, melden sich  heute verstärkt diejenigen zu Wort, die aus dieser „nationalen“ Narration ausgeschlossen waren. Dies äußert sich sowohl in literarischen Texten als auch in Filmen, indem diese Gruppen ihre eigene, andere Geschichte erzählen aber auch in künstlerischen Formen, die zeigen, dass Identität, ob sexuell oder kulturell stets ein Konstrukt ist, dass durch Sprache erzeugt wird. Ob in den Romanen von Maïssa Bey und Souad Bahéchar oder in dem Film  „Casanegra“: Hier werden Identitäten in ihrem performativen Charakter vorgeführt und als Maskerade entlarvt; das Bedürfnis von Meistererzählungen als Wunsch nach Eindeutigkeit und Sinnhaftigkeit gezeigt.

Auf der anderen Seite wurde auch deutlich, dass die gesellschaftliche und politische Realität ein wichtiger Impuls und eine zentrale Herausforderung für die Künstler darstellen, auch wenn im Fall von Algerien der Eindruck einer gesellschaftlichen Stagnation und Lähmung bleibt. Eine zentrale Frage, die im Verlauf der Tagung immer wieder gestellt wurde, betraf das Verhältnis von Realität und Fiktion, die Legitimität des Künstlers, der die gesellschaftliche Realität beschreibt. Wie universell muss die Gestaltung sein und wie partikular darf sie sein? 

Die Konferenz bot Raum für vergleichende Fragestellungen zwischen den Nachbarländern, was von den TeilnehmerInnen aus Europa, dem Maghreb und Québec als eine bereichernde Öffnung zu einer Diskussion über Parallelen und Unterschiede gesehen wurde, da häufig nach wie vor eine Nord-Süd-Perspektive oder eine national ausgerichtete Perspektive vorherrsche.  Diese Diskussionsplattform soll in Zukunft weiter ausgebaut werden.

Der der marokkanische Film „WWW. What a wonderful world“ von Faouzi Bensaïdi, der beim diesjährigen Kinofestival „Cinema Africa!“ gezeigt wurde, bildete am 25.11. den Auftakt der Konferenz.

Im Begleitprogramm der Konferenz las der algerische Schriftsteller Habib Tengour aus seinen Werken. Tengour wird als “one of the Maghreb’s most forceful and visionary francophone voices of the postcolonial era” bezeichnet. Die Übersetzerin seiner Werke, Regina Keil, war ebenfalls anwesend sein.

Die Konferenz wurde durch die Förderung der Volkswagen-Stiftung ermöglicht und vom deutsch-algerischen Kulturverein Yedd e.V. unterstützt.
                                                                                     


Verantwortlich für die Redaktion: Univ.Prof.Dr. Ute Fendler

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